Zeitreisen
Gefühlt war der heutige Tag etwa 15 Jahre lang, und damit einer der längsten Tage, die ich in letzter Zeit erlebt habe. Und trotzdem war er zum Großteil wirklich super!
Vor einiger Zeit hat mich eine alte Freundin auf Facebook kontaktiert, die mittlerweile in Norwegen lebt. Wir waren so Mitte der Neunziger echt gut befreundet, haben aber dann nach ein paar Jahren den Kontakt verloren. Und nun haben wir uns mal wieder getroffen, weil sie gerade zu Besuch bei ihren Eltern ist. Ich war gespannt, wie es nach so langer Zeit sein würde - manchmal findet man ja wirklich gar nichts mehr, worüber man reden kann, obwohl es eigentlich genügend Stoff gäbe.
In diesem Fall war’s aber anders: nach der Feststellung, dass bei uns beiden die Haare kürzer und die Stimmen tiefer geworden sind, aber wir uns sonst eigentlich nicht groß verändert haben, gab es reichlich zu erzählen. Wo bist du jetzt und was hat doch dorthin verschlagen, was macht X, Y ist auch im Ausland, hast du mal Bilder von Z gesehen - der ist total fett geworden, und neulich hab ich V und W gesehen, die haben auch schon Kinder.
Schwuppdiwupp waren zwei Stunden um, und wir beschlossen, noch mal fix in der Ernestinenschule vorbeizugucken, die wir damals beide besucht haben. Ich war auch nach dem Schulabschluss noch hin und wieder dort und kannte deshalb manche Veränderungen schon - in einen richtigen Klassenraum hatte ich aber auch seit 13 Jahren nicht mehr reingeguckt. Dort hat sich wirklich gar nichts verändert - ein bisschen traurig, denn als wir damals Schüler waren, hatte man eigentlich damit begonnen, nach und nach neue Schulmöbel zu kaufen. Dafür scheint irgendwann das Geld ausgegangen zu sein, denn in den meisten Räumen, in die wir hineinguckten, waren immernoch die alten, braunen Holzmöbel vorherrschend. Trotzdem wäre ich froh, später an eben dieser Schule zu landen.
Auch am Abend ging’s nochmal auf Zeitreise, dieses Mal aber nur knapp zehn Jahre zurück, oder wenn man’s genau nimmt sogar weniger. Ich habe jemanden aus meinem Abijahrgang getroffen, mit dem ich aber auch nach dem Abi noch eine ganze Weile relativ regelmäßig Kontakt hatte. Und auch hier hat sich nicht viel verändert. Werden wir nur noch älter, aber nicht *wirklich* anders? Ist das normal oder ein Lübecker Phänomen? Macht uns das langweiliger oder heißt es nur, dass wir uns selbst recht treu sind? Hm!