Alan Rickman can do no wrong

Obigem Statement meiner Vermieterin kann ich - was seine filmischen Leistungen angeht - eigentlich nur zustimmen. Trotz fortgeschrittenen Alters und auch nicht unbedingt umwerfender Schönheit hat Herr Rickman nicht nur mehr schauspielerisches Talent, sondern auch mehr Charisma im kleinen Finger als 90% aller anderen Schauspieler zusammen. Und Johnny Depp und Helena Bonham Carter gehören definitiv nicht zu besagten 90%, sondern zu den anderen 10%, die zwar nicht *besser* sind als er, aber sich doch zumindest nicht zu verstecken brauchen. Das mal vorweg, damit keine Missverständnisse aufkommen.

Um so größer die Enttäuschung für mich, als wir letzte Woche in “Sweeney Todd” waren. Ich bin ja immer geneigt,  mir eigentlich alles anzusehen, was nur entsprechend besetzt ist. Bisher hat das auch meistens gut funktioniert: Wenn sich meine bevorzugten Schauspieler für ein Drehbuch hergegeben haben, war das auch für mich “was wert”. Nicht so bei dieser Schlaftablette.

Die Leistung besagter Darsteller war zwar gewohnt überzeugend, aber weshalb sie sich für ein derart langweiliges Stück Filmgeschichte hergegeben haben, frage ich mich doch. Na gut, der Johnny steht ja auf merkwürdige Sachen, und wenn ich es mir recht überlege, hat mich noch kein Burton-Film überzeugt - aber Alans Wahl ist doch sonst über jeden Zweifel erhaben?! Was ist passiert? War das ein persönlicher Gefallen für irgendwen?

Jedes Geschehnis im Film war von Anfang bis Ende vorhersehbar, die Menge an Gesang war selbst für einen recht überzeugten Musikfilm- und Musical-Fan wie mich - meine DVD-Sammlung zieren wirklich nicht wenige Exemplare aus dieser Richtung - weit übertrieben, und der vielbeschworene Splatter vermochte es trotz literweise vergossenen Filmbluts nicht, auch nur das kleinste bisschen “Action” in den Streifen zu bringen. Die Liebesgeschichte zwischen den zwei jungen Dingern war ähnlich wichtig wie der Arwen-Handlungsstrang in LOTR: Kann man ja machen, aber muss es denn so lang sein?

Einzig Sacha Baron Cohens Rolle war unterhaltsam - wenn auch vermutlich nur, weil ihr nicht viel Gelegenheit blieb, ebenso langweilig zu werden, wie es der Rest des Films war. Ja, ich würde fast sagen: Hätte man das Ganze auf ein knappes Stündchen gekürzt und alles rausgestrichen, wo die Stars nicht richtig aktiv beteiligt sind, wäre das Kinoticket sein Geld eher Wert gewesen. Aber so - wäre mehr Licht im Saal gewesen, hätte ich zu lesen begonnen. Zu Drink und Popcorn gab es als Beigabe nämlich das Buch zu “Sea Horse”.

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