Mexikanisches Stehvermögen
England hat das Halbfinale im Rugby-Worldcup gegen Frankreich gewonnen. Ich kann zwar (wie die meisten deutschen FLAs hier) mit Rugby nix anfangen, aber wir waren trotzdem im Pub, um uns das Spektakel anzusehen. Für einen einzigen Laden war unsere Gruppe zu groß, also haben wir uns aufgeteilt - ich war nicht unglücklich darüber, dass Muffi und ihre Leute in einem anderen Laden waren als wir. Trotzdem habe ich so die Einleitung zu unserem häuslichen Abend-Unterhaltungsprogramm verpasst …
Beim Kneipenwechsel habe ich Muffi und ihre Mädels kurz gesehen, die wirkten angetrunken, aber nicht übermäßig blau, eher so wie kleine Mädchen, die in erster Linie betrunken *spielen*, es aber noch lange nicht sind. Wegen meiner noch zu beendenden Hausarbeit habe ich mich früh auf den Heimweg gemacht, um den Bus um viertel nach elf zu kriegen.
Auf dem Weg zur Haltestelle sah ich Muffi und ihre Leute, die gerade dabei waren, eine offensichtlich volltrunkene Mexikanerin, nennen wir sie Mopsi, in ein Taxi zu befördern. Muffi stieg mit ein und fuhr los, und die anderen erklärten mir - übrigens jetzt völlig klar - dass Mopsi keinen Alkohol gewohnt sei und sie das nicht gewusst hätten, und dass Muffi sie deshalb nach Hause bringt. Anständig von Muffi, dachte ich noch, und setzte meinen Heimweg fort.
Zuhause angekommen ging der Abend dann erst richtig los: Muffi, Mopsi, unsere Vermieter und eine Freundin von denen waren in der Küche, wo Mopsi halb bewusstlos auf dem Hundesofa lag und von den Anderen umtüdelt wurde. Die Freundin war gelernte Krankenschwester und machte sich ernsthafte Sorgen, da Mopsis Puls kaum noch vorhanden war, und sie auch sonst mehr tot als lebendig wirkte - Hände hingen schlaff herunter und reagierten nicht auf Druck, die Zunge lag dick und leblos in ihrem Mundwinkel herum und Mopsi wollte sich immer wieder auf den Rücken rollen, was natürlich eine Erstickungsgefahr mit sich brachte, die man auch nicht will. Unsere Vermieterin rief mehrfach beim Notdienst an, wo der Notarzt bliebe, so dass die dort schließlich eine Leitung für uns freihielten, um uns ggf. Anweisungen zu geben, falls der Arzt nicht rechtzeitig käme. Kam er dann aber doch, und unsere Beinahe-Alkoholleiche kam schließlich für einige Stunden ins Krankenhaus. Muffi musste als Begleitung mitkommen, da Mopsi mittlerweile auch der englischen Sprache nicht mehr mächtig war - auf Spanisch waren ihr immerhin noch einzelne Wörter zu entlocken.
Das eigentlich Merkwürdige war, dass Mopsi nicht viel getrunken haben kann - die Damen hatten zu fünft zwei Flaschen Wein, und Mopsi kam sogar etwas später dazu als die Anderen. Der Verdacht lag nahe, dass ihr Drogen in den Drink gekippt wurden, aber theoretisch war das unmöglich. Nun ja - mittlerweile ist sie wieder raus aus der Klinik und will nie wieder Wein anrühren.